Die Nacht war so kalt, dass die Autoscheiben eingefroren waren. Es ist eben Herbst in Suedafrika.
Um 9.00 war ich schon in Lesotho. Einzige Formalitaet war der uebliche Stempel und gluecklicherweise keine Wartezeit. Lesotho kassiert dann noch R5.00 Parkgebuehren am Grenzuebergang, aber fuer Einreise-Formalitaeten hat sich niemand zustaendig gefuehlt.
Der kleine Ort hinter dem Grenzposten ist eine Katastrophe. Holz- und Blechhuetten, Gemuesestaende neben Farben und Reifen, schrottreife Autos, Busse, LKW und alles voller Menschen. Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Esel, ab und zu ein Maultier oder Pferd, auch mal streunend mitten auf der Strasse. Dieser Dreck, diese Armut, das Gewimmel, das war ein Schock fuer mich.
Zahlreichere Transportmittel als die klapprigen Autos sind Ochsenkarren, Esel oder der eigene Kopf. Bewundernswert und erschreckend zugleich, was die Frauen auf dem Kopf tragen, in den Haenden schleppen und das kleinste Kind auf dem Ruecken festgebunden. Die Landschaft ist wunderschoen selbst im Herbst, aber das Land ...
Zurueck in Clarens habe ich mich vom vielen Autofahren auf einer 2.5h Wanderung erholt. Im Golden Gate National Park sind die Berge bunt. Einfach herrlich. Steile Wege, kaum Besucher und noch weniger Wildlife. Mein Picknick am Mushroom Rock war dementsprechend etwas einsam.
Bevor es dunkel wird, sollte ich noch das Auto aufraeumen. Selbst der Polizist an der Grenze hatte kein Interesse daran, tiefer in das Chaos des Kofferraumes vorzudringen (auf der Suche nach Rauschgift). Aber der Corolla faehrt sich sehr gut, viel angenehmer als die anderen beiden kleinen Autos.
Als ich abends auf dem Weg ins „Outback“ war, habe ich einen grossen Uhu lautlos vorueberschweben sehen. War’s die Kaelte oder der Anblick dieses majestaetischen Vogels , der die Gaensehaut verursacht hat? Der dicke Wirt des kleinen Restaurants hat mir angesehen, dass ich gern den waermsten Platz im Lokal haette. Dort konnte ich auch in Ruhe noch ein paar Seiten in „Krieg und Frieden“ vorankommen. Allerdings mutet es etwas skuril an, mitten im zentralen Suedafrika ausgerechnet ueber den Krieg gegen Napoleon zu lesen.
Der gute Rotwein waermt die Kaelte weg. Ein Glueck, dass ich mich nicht fuer ein anderes Restaurant habe abwerben lassen. Der Salat scheint frisch aus dem Garten gewesen zu sein, die Erbsensuppe nach einem anstrengenden Tag genau richtig und der dicke Wirt einfach herrlich. Die Bilder im Restaurant, Landschaften in Acryl, barocke Stilleben, sind von ihm gemalt. Ich fand sie sehr schoen, auch wenn sie nicht zu unsrer Wohnungseinrichtung passen wuerden.
Clarens scheint ein kleines Mekka der bildenden Kuenste zu sein. Beim Schaufensterbummel um 20.30 (!!) kam ich mir vor wie in einem Museum. Nach ueber 8 Wochen Vorsicht und nur im Auto bei Dunkelheit, ist es merkwuerdig aber erholsam, so spaet sicher und ungestoert in erleuchtete Geschaefte zu blicken, ohne Gitter, Zaeune oder leere Fenster.
Und dann dieser Sternenhimmel... ist das wirklich die Milchstrasse, dei den Himmel als Wolke aus Sternen ueberzieht?
Am Sonntag bin ich die Aussichtspunkte im Nationalpark abgefahren. Die roten Felsen und das gelb-orange Gras bilden einen eigenartigen Kontrast zum strahlendblauen Himmel. Zwei Geier und etliche Paviane waren auf der Suche nach fressbarem.
Der kurze Besuch im Museumsdorf der Basotho war interessant und lustig. Die kleinen Rondavels sind erstaunlich gut klimatisiert.Der Fussboden besteht aus einer getrockneten Kuh-Dung-Mischung und die Waende aus Lehm. Der Chief, hier mit seinem Hut fuer die Entscheidungsfindung, hat eine eigene Huette, einen Berater und mindestens drei Frauen. Der Berater wird beim Dame-Turnier ermittelt. Die Erst-Frau wird von der Dorfgemeinschaft gewaehlt. Die Zweit-Frau wird von der Erst-Frau erwaehlt und erst ab der dritten darf der Chief selbst waehlen. Welche Frau wann fuer ihn sorgen muss und auch bei ihm zu uebernachten hat, regelt ein ausgekluegelter Zeitplan.
Auf der Rueckfahrt ist mir dieser ungewoehnliche Fahrradtransport aufgefallen.
Die beiden Polizeikontrollen, die unterwegs auf „Kundschaft“ aus waren, interessierten sich offensichtlich mehr fuer Schwarze in alten Autos als fuer weisse Touristen aus JNB. Worueber ich auch sehr froh war.