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Ein Wochenende in den Bergen

Nach 3h Fahrt durch trockenes Land und staubige Luft kam ich Freitag Nachmittag in Clarens, Freestate, an. Ausser Militaer war auf der Nebenstrecke wenig los. Die Strassen verlaufen geradeaus bis zum Horizont. Waeren nicht die Potholes/Schlagloecher, man koennte durchaus zum Rasen verleitet werden. Diese Biester tauchen immer unvermittelt auf und wollen meist gleich das halbe Auto verschlingen.




Clarens ist ein kleines suesses Kaff, das ausschliesslich fuer Touristen zu existieren scheint. Entlang der einzigen Hauptstrasse gibt es nur Galerien, Gaestehaeuser, Souvenierlaeden oder Restaurants. Kirche und Tankstelle natuerlich auch. Dahinter stehen entweder kleine Haeuschen oder grosse Villen mit Blick auf die Berge.




Mein kleines Zimmer ist zweckmaessig aber huebsch eingerichtet. Ich war ganz begeistert von der schoenen Bettwaesche und haette sie am liebsten mitgenommen. Allerdings war das Zimmer so klein, dass fuer einen zweiten Rucksack kein Platz gewesen waere. Und Schuhe groesser als 40 waeren ebenfalls besser draussen geblieben. Dafuer konnte das Auto direkt vor der Tuer auf dem englischen Rasen stehen bleiben.
Schon vor Sonnenuntergang war es auf gut 1800m Hoehe recht frisch. Aber es gab ja zwei warme Bettdecken, wenn schon keine Heizung. Wie auch daheim im B&B ist unter dem Bettlaken eine Heizdecke versteckt. Aber es war nicht so kalt, dass ich die haette einschalten muessen.




Die Maedels sind echte Profis, oder? Als ich sie gefragt hatte, ob ich sie fotografieren duerfte, hat es keine 10 Sekunden gedauert, da waren die Taschen versteckt, die Muetze gerichtet und fertig posiert. Herrlich!

Im Restaurant war abends nur noch draussen Platz und so habe ich mir Suppe und Salat einpacken lassen und bin mit dem Essen unter einem beeindruckenden Sternenhimmel zurueckgelaufen. Ich kenne zwar das schweizer Original Clarens nicht, aber das suedafrikanische ist ungewohnt sauber und aufgeraeumt. Es gibt keine hohen Mauern oder Elektrozaeune und selbst unbebaute Grundstuecke sind gepflegt.
Die heisse Suppe hat gut getan.
Touren nach Lesotho werden ausgerechnet an diesem Wochenende nicht angeboten. Also werde ich auf eigene Faust hinfahren muessen.

16.05.2007 14:25 - posted by romy - Kommentare: 0
Noch drei Wochen

Vor ein paar Tagen war ich wieder beim Friseur. Nun tragen Friseurin Kelly und ich exakt die gleiche Frisur. Das macht es aber einfacher fuer mich, wenn ich nicht soviel erklaeren muss. Anschliessend war ich bei Mr. Wills in seiner kleinen Schneiderei wegen ein paar kleinerer Reparaturen. Wir haben ueber alte Uhren geplaudert, denn er hat fast genau die gleiche Schrankuhr aus den 1930ern, wie ich eine von meinen Grosseltern geerbt habe. Seine funktioniert tadellos. Nach einem Einbruch hat er nur noch vier alte Uhren, davon zwei Kuckucksuhren, die er billig auf einem Flohmarkt erstanden hat.
Um 18.30 war mal wieder Stromausfall. Mein Abendessen war erst halbfertig, als die halbe Stadt in Dunkelheit fiel. Nach 20min Warten war es immer noch dunkel. Also bin ich zum Inder gefahren und habe lecker Samosas und Linsen gegessen. Merkwuerdigerweise war nur eine Strasse weiter der Strom schon wieder da, waehrend Clouds End noch bis 20.00 im Dunkeln lag.

Ich freue mich sehr auf den Urlaub, obwohl ich gar nicht unbedingt von hier weg will. Inzwischen habe ich mich gut eingewoehnt. Obwohl einige Dinge einem das Leben hier nicht eben leicht machen.
15.05.2007 09:17 - posted by romy - Kommentare: 0
Sonnenaufgang

Um 5.30 wurden wir geweckt und zum naechsten game drive abgeholt. Das Wetter hat vielleicht auch die Tiere verwirrt, aber viele kleine Highlights liessen die Zeit im Auto schnell vergehen. Nach dem Fruehstueck bin ich mit Arend auf einen Bushwalk gegangen. Wenn er mir frische Loewenspuren zeigt, und es dann im Gebuesch knackt und selbst er stoppt und sich in alle Richtungen umsieht, rauscht eine Menge Adrenalin durchs Blut.








Ist dieses Fleckchen Erde nicht zum Verlieben schoen? Egal, wie lang die Anreise war, was es gekostet hat, wie das Wetter war und selbst laut mampfende Flusspferde neben dem Zelt…

http://www.gomogomo.co.za




Die Ranger sind eine lustige Mischung aus Ranger, Kellner und Entertainer. Trevor zum Beispiel hat auf unserer ersten Nachtfahrt bewiesen, dass auch Maenner multitasking faehig sein koennen. Den Jeep fahren, mit dem Handscheinwerfer die Umgebung ausleuchten (ob vielleicht ein Chamaeleon oder Bushbaby im Baum sitzt), ueber Funk mit den anderen Fahrzeugen Kontakt halten, den Loewen im Blick behalten und ueber Stock Stein Baum fahren ohne steckenzubleiben. Wir mussten uns nur rechtzeitig vor tiefhaengenden Aesten ducken.

Sonntag frueh der Kaelteeinbruch. Ca. 2h sind wir ohne Tiere zu sehen im offenen Jeep durch die Kaelte gefahren. Dann ploetzlich das Loewenrudel in der Morgensonne. Anschliessend, mit ausreichend Abstand, Tee und Kekse.






Faehrtenleser Adries sitzt wieder auf seinem Platz auf der Motorhaube, waehrend wir auf ihn, Batman, warten.




Auf dem Weg zur Lodge wurden wir kurz aufgehalten.




Schweren Herzens bin ich wieder abgefahren. Gerne wuerde ich wiederkommen. Die Fotos kann ich gar nicht oft genug ansehen.
04.05.2007 16:45 - posted by romy - Kommentare: 0
Wochenende XXL

Am Freitag war Feiertag – Freedom Day. Um 5.30 bin ich losgefahren Richtung Osten. Kaelte und Nieselregen schnell hinter mir gelassen. Insgesamt sollte die Fahrt ins Timbavati Game Reserve 7h dauern. Viele andere waren schon vor mir aufgebrochen, entsprechend voll war es teilweise auf den Rastplaetzen und Autobahnen.
Wieder einmal fuehrte die Strecke durchs Gebirge, und ueber einen Pass (Erasmus Pass). Die Aussicht, die oft unerwartet hinter einer Kurve lauert, ist immer wieder atemberaubend.
Erstmal auf ca 2000m hinaufgeklettert ging es unaufhoerlich bergab auf 350m. Letzte Rast in Hoedspruit und links ab nach Osten in das riesige Reservat direkt am Krueger Park. Nach 10km scheusslicher Schotterpiste empfaengt den Reisenden hinter dem Tor zum Reservat die Wildnis. Wenn man den ausgesprochen unhoeflichen Waechter schliesslich davon ueberzeugen kann, dass man eine Unterkunft gebucht hat.
Es gibt keine Wildzaeune mehr und von der asphaltierten Hauptstrasse fuehren nur Waldwege in den Busch. Kleine Schildchen weisen den Weg zur jeweiligen Lodge.




Die allgegenwaertigen Yellowbilled Hornbills (auch flying banana genannt) und Lilacbreastet Roller, Impala, Waterbok interessieren sich kaum fuer Autos. Etwas mulmig wurde mir, als Groesse und Haeufigkeit der Elefantendung-Haufen zunahmen.

Endlich in der Lodge angekommen, wurde ich sehr freundlich empfangen. Mein Zelt sollte das letzte im Camp entlang des Flussufers sein. Noch ein kurzes briefing zur eigenen Sicherheit, dann erstmal auspacken und die Eindruecke langsam wirken lassen. Die Temperatur von 38 Grad ebenfalls. Kein Radio, kein Fernseher, kein Telefon, kein Funktelefonempfang, nur Funkgeraete.




Idyllisch: Im Fluss vergnuegten sich Flusspferde und ihre Kaelber. Eine Schildkroete sonnte sich auf einem Baumstamm im Wasser. Zum Lunch erschien dann schon der erste Elefant vor der Terasse. Vor meinem Zelt nahm er noch eine Dusche im Fluss, bevor er sich auf dem Hippo-Highway auf den Weg gemacht hat.




Am Nachmittag nahm Ranger Trevor mich und zwei weitere Deutsche auf den ersten Game Drive mit.(Anm. D. Red.: Game bedeutet hier Wild) Getraenke und Gewehr waren auch dabei. Es sollte eine abenteuerliche Fahrt durch den Busch werden.

Gleich am Tor trafen wir den Elefantenbullen wieder. Ganz entspannt lies er sich beobachten und posierte fuer Fotos. Spektakulaer gings weiter. Die vier Loewenkinder waren 8 Monate alt und liessen sich durch uns nicht in ihrer Siesta stoeren. Spaeter sollten wir auch noch ihre Eltern zu sehen bekommen. Der Kater hat sich wie jede normale Hauskatze auch auf der Wiese gewaelzt.








Zum Abendessen trafen wir uns alle in einem grossen Kreis ums Lagerfeuer. Das nennt man hier Lapa oder Boma. Kanadier, Briten, Suedafrikaner, Franzosen und Deutsche. In der Dunkelheit werden die Gaeste von den Rangern abgeholt und zurueck zum Zelt oder Haus gebracht.




In dieser Nacht habe ich kaum geschlafen. Ein heftiges Gewitter tobte bis zum Morgen. Allerdings machen auch Flusspferde unglaublichen Laerm beim Fressen und ein Loewe hat das ganze Theater mit seinem Gebruell abgerundet. Auf dem Hippo-Highway vorm Zelt war starker Verkehr die ganze Nacht ueber.

04.05.2007 16:40 - posted by romy - Kommentare: 0
FiFa WM 2010

Da ich immer mal wieder gefragt werde, wie die Vorbereitungen fuer die naechste Fussball WM laufen, moechte ich meinen Eindruck wiedergeben. Gestern war Termin fuer die regelmaessige Ueberpruefung durch eine FiFa Kommission. Und wie nicht anders zu erwarten, ist alles in Ordnung. Auf die Angebote von UK und Australien, im Ernstfall einzuspringen, geht man jetzt nicht ein.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Selbst wenn Suedafrikas Fussballverband es schaffen sollte, die Stadien rechtzeitig fertigzustellen, gibt es eine Menge Randprobleme.
Die Strassen sind in einem schlechten Zustand. Die Regierung Mbeki investiert kaum in Reparaturen oder Neubauten. Alles notduerftig aufs noetigste beschraenkt. Und das Verkehrsaufkommen waechst exponentiell. (Kein Wunder, dass ich alle vier Wochen ein Mietauto verschleisse.)
Ohne besonderen erkennbaren Anlass waren im Maerz fuer drei Wochen alle, wirklich alle, verfuegbaren Hotelzimmer in Johannesburg ausgebucht. Selbst wenn es 2010 genuegend Fluege geben sollte, um Teilnehmer und Besucher ins Land und innerhalb Suedafrikas zu fliegen, wo sollen die uebernachten? Wie sollen die zu den Stadien kommen, etwa mit diesen fuerchterlichen Minibus-Taxis? Auf den schon jetzt ueberlasteten Autobahnen?
Seit drei Tagen leiden Stadtviertel im Osten (Eastrand) naehe Flughafen unter anhaltendem Stromausfall. Darunter Suedafrikas groesste Shoppingmall. Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht zu ermessen. Man stelle sich das besser nicht waehrend der WM vor: im Stadion kein Licht oder keine Fernsehuebertragung, keine Telefonverbindungen, Handynetze ueberlastet, elektrische Tueren/Tore/Schranken funktionieren nicht, Kerzen in Hotelzimmern, vergammelte Lebensmittel in Restaurants und keine Heizung oder warmes Wasser. Die Kapazitaeten der Kraftwerke reichen jetzt schon kaum aus, den Bedarf zu decken. Neubauten werden nicht rechtzeitig ans Netz gehen und die Netze sind schlecht gewartet. Das kennen wir ja auch aus Mitteleuropa.
Und nicht nur Strom ist knapp. Seit Wochen gibt es kaum noch Milch und Rindfleisch. Sojabauern und Straussen-Farmer werden sich freuen.
Wann sollen eigentlich die Spiele angepfiffen werden? Im Juni ist es 17.00 dunkel (und kalt). Und nicht in allen Staedten ist es im Winter so trocken wie in Johannesburg. Sollten sich die Deutschen qualifizieren, wuerde ich ein Trainingslager in Island empfehlen.
Von Kriminalitaet, AIDS, medikamentenresistenter TBC und betrunkenen Autofahrern ganz zu schweigen. Die Krankenhaeuser sind auch ohne zusaetzliche Besucher schon gelegentlich mit Notfaellen ueberfordert.
Wir hatten eine lebhafte Diskussion beim Dinner mit meinen Gastgebern vom B&B ueber die bevorstehende WM. FiFa bietet Hotels Exklusivvertraege an. Das Handbuch ist mehrere hundert Seiten dick. Mind. 70% der Kapazitaet muessen exklusiv der FiFa zur Verfuegung gestellt werden und koennen nur ueber deren Vermittler vermietet werden. Ohne Garantie fuer Buchungen.
Und es ist kein Geheimnis, dass es schon korrupte Vorstandsmitglieder in der FiFa gegeben hat. Genausowenig ist es ein Geheimnis, dass an vielen (offiziellen) Stellen wie Behoerden und Polizei, in Suedafrika Korruption regiert.
Eins steht fest, sollte ich nochmal nach Suedafrika reisen, nicht vor 2011.

03.05.2007 10:31 - posted by romy - Kommentare: 0